Museumstr.29
39100 Bozen
t. +39 0471 971 601
f. +39 0471 979 945
Öffnungszeiten
Di-Fr 10-13, 15-19
Sa 10-13
Freier Eintritt
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Als einer der wenigen englischen Künstler, die ausschließlich mit dem Medium Photographie arbeiten, entwickelte John Hilliard eine methodische "Dekonstruktion" der Bildkonstruktion und -analyse, die eng mit der Frage nach den photographischen Darstellbarkeitsmöglichkeiten verknüpft war. (...)
Die stringente und rigorose Bezugnahme auf optische und physische Qualitäten des Mediums Photographie, die immer eine Be- und Hinterfragung traditioneller Formen der Repräsentation beinhaltet hat, diversifiziert sich in den neunziger Jahren merkbar. John Hilliards Unbehagen an der Photographie und ihrer scheinbaren Wirklichkeitstransparenz wird in technischer, formaler und inhaltlicher Hinsicht visuell opulenter und narrativer, ohne die (konzeptuellen) Strategien des "Wegfilterns, Reduzierens und Verschleiern" (John Hilliard) aufzugeben. In der Verknüpfung von existentiellen Fragestellungen mit bestimmten formalen Lösungen geht es nicht nur um den Aspekt unseres (photographischen) Welt- und Bildbegehrens, sondern auch um die Frage nach den Weisen einer Anschauung und Konstitution von Welt im Angesicht einer Bildwelt.
In faszinierender und herausfordernder Weise hat John Hilliard seine Reflexionen über Sehen, Sichtbarkeit, Fiktionalität und Photographie komplex weiterentwickelt, die sich nicht nur auf die aktuelle Diskussion über den Kunst- und Bildbegriff selbst beziehen, sondern damit verbunden auch den Status der (photographischen) Bilder im Zeitalter digitaler Medien tangieren. Unter anderem liegt darin die Notwendigkeit, Aktualität und Relevanz seiner neuen photographischen Bildszenarien, die eine permanente Herausforderung für "feinere Zublicke" (Burghart Schmidt) darstellen. Carl Aigner, aus dem Vorwort zum Ausstellungskatalog "John Hilliard works 1990-96", KUNST.HALLE.KREMS & AR/GE KUNST Bozen, 1997 Hilliards Fotografien konstituieren sich aus einem klaren Bildprogramm und einem strengen und präzisen Bildaufbau: von der Wahl des Themas - oft existentialistischer Natur, häufig um Fragen der (Geschlechter)Identität oder um psychische Obsessionen und manchmal durchaus mit Anklängen an die Reizthemen von Sex and Crime - zu seiner schauspielerischen und bühnenbildartigen Inszenierung und zur eigentlichen fotografischen Umsetzung in den Einfach-, Doppel, Dreifachbelichtungen oder Bildmontagen. (Im Überblick betrachtet läßt sich feststellen, daß John Hilliard seinen Bildbegriff zwar an Einzelbildern erarbeitet, sich diese aber gerade was die Bildtechnik betrifft zu jeweils größeren Werkgruppen zusammenfassen lassen.) Eine weitere Bildkomponente ergibt sich aus dem Fotografieren selbst und dem Verhältnis John Hilliard zu diesem Medium: eine Art Haßliebe, ein ständiges Mißtrauen, aus dem das medien- bzw. selbstreferentielle Moment der Arbeiten resultiert. Hilliard interessiert am fotografischen Medium, das zum Produzieren von Bildern erfunden wurde und als solches definiert wird, der gegenspielerische Aspekt, das Verschwinden der Dinge aus der Fotografie, das Auflösen der Grenzen ins Unwirkliche: Licht kann aufklärerisch sein, sichtbar machen, zugleich aber auch grell blenden und in einem Überschuß an Energie die Wirklichkeit auflösen. Dieses Spannungsverhältnis zwischen Verdecktem und Sichtbarem, von Realität und Täuschung, von Konzentration und Offenheit, These und Antithese charakterisiert ganz grundsätzlich das Arbeitsfeld des Künstlers. Marion Piffer-Damiani, "Vexierbilder des Lichts", aus dem Ausstellungskatalog "John Hilliard works 1990-96", KUNST.HALLE.KREMS & AR/GE KUNST Bozen, 1997.